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DIE WILDTIERE SIND LEBENDIG MEHR WERT ALS TOT

Von Philipp Laage - Quelle: Aachener Nachrichten am 25.06.2016

Mit dem abnehmenden Licht schwindet meine Hoffnung. Natürlich erhöhen sich die Chancen in der eintretenden Dämmerung. Und schon schnell erkennt man seine eigene Hand vor Augen kaum noch in dieser Savanne.
In unserem Jeep durchqueren wid auf nächtlicher Pirschfahrt das Kapama Garne Reserve, als Vorstufe zur geplanten und ausgedehnten Safari im naheglegelen Krüger-Nationalpark am folgenden Tag. Wer hierher kommt, will ganz bestimmt und unbedigt die „Big Five" sehen: die fünf großen Landsäugetiere Afrikas (die Könige der Tierwelt): natürlich der König der Tiere, der Löwe. Aber auch der Büffel, der Elefant, das Nashorn und der Leopard. Aber diese warten nicht auf uns und wir begeben uns auf Suche.

DIE WILDERER

Im Schutze der Dunkelheit huschen Impalas durch das trockene Gestrüpp und am Straßenrand frisst eine Giraffe unbeeindruckt vom Auto. Dass es sich hierbei tatsächlich um wilde Tiere handelt, kann man kaum so begreifen, aber dem stets ungeduldigen Safari-Urlauber sind ein paar wenige schreckhafte Antilopen und nur eine Giraffe doch zu langweilig und alles andere als Wildlife. Als es schon so dunkel wird, dass man die Iso-Zahl der Fotokamera stark hochschalten muss, um keine verpixelten Bilder zu erhalten, hält der Gelände-Jeep an einem kleinem Tümpel. Am gegenüber liegendem Ufer sieht man einen starken schwarzen Rumpf und eine verletztende Spitze auf dem Kopf: Es ist ein Nashorn! Nicht nur die Grazie des Tieres macht diesen Moment so einmalig. Es ist ein wunderbarer Anblick, der wahrscheinlich so in den nächsten 25 Jahren nicht mehr wahrgenommen werden könnte.
Eine Verkettung verschiedener Umstände bedroht das Nashorn. In Asien ist der Aberglaube weit verbreitet, in Afrika sind viele Menschen arm und perspektivlos. Die Folge: Kriminelle heuern Wilderer an, die Nashörner jagen und 
ihnen die Hörner abschneiden. Das lukrative Geschäft mit diesem Produkt buhmt. Es wird nach Vietnam geschmuggelt, wo vermögende Reiche manchmal bis zu 70.000 Dollar für 1KG ausgeben. Sie sind der festen Meinung, dass gemahlenes Horn viele lebensbedrohliche Krankheiten heilen kann.

Die Safari-Führer geben Koordinaten, an denen sie Raubkatzen gesehen haben, oft per Walkie-Talkie an ihres Gleichen weiter. „Doch für die Nashörner benutzen wir nur geheime Codes", sagt S.W. Staples vom Hoedspruit Endangered Species Centre. „Wir erwähnen auch nie, die Anzahl der lebenden Nashörner in diesem Reservat", erklärt der Führer. Die Sorge der abhörerende Wilderer macht sie erfinderisch und schützt die lebenden Tiere.
Am nächsten Tag, wenn die ersten Geländewagen zur Safari in den berühmten Krüger Nationalpark starten, haben sich die gefährlichen Wilderer wieder aus dem Staub gemacht. Jetzt startet nämlich das von der Regierung zugelassene Geschäft mit dem Krüger Park: der Tourismus. 
Kühl ist die Luft, bevor die Sonne richtig aufgegangen ist. Der Fahrtwind bläst durch die Kleidung. Die Südafrika-Urlauber, die nicht nur heute ca. 8 bis 10 Stunden im Krügerpark auf Safari sind, hüllen sich in Decken. Die erste Beobachtung posaunt Führer und Scout John Mthethwa, weit bevor der Haupteingang zum Krüger Nationalpark erreicht ist. 
In der Nähe der Straße ruht eine Löwenfamilie Löwe im hohen Gras. Die Befehle sind klar formuliert: „Sitzenbleiben,  die Beine oder Füße im Jeep halten. Das provoziert diese wilden Tiere und einige werden schnell agressiv", stellt John dies klar.

RAUBKATZEN AN AUTOS

Doch Vorsicht: Manchmal schleichen sich diese Raubkatzen an Fahrzeuge. Schwere Verletzungen bis zu tödlichen Attacken sind nicht selten. Es ist schon Respekteinflößend, wenn ein relaxter Löwe plötzlich seinen Kopf hebt und sich ruckartig aufstellt.
Innerhalb der Parkgrenzen geschieht dann 120 Minuten fast nichts. Die Tiere sind duch das farbenfrohe und dichte Buschwerk gut geschützt und man erkennt sie nicht immer auf den ersten Blick. Die Wartezeit wird zu einer Geduldsprobe. Und doch taucht ein Elefant am Wegrand plötzlich und unerwartet auf - er ist ein weiterer Vertreter der BigFive".

Der König am Wasserloch

Hinten auf der Rücksitzbank hört man plötzlich ein Wimmern. Eine unerfahrene Touristin (aus Deutchland) muss unbedingt mal. Sie erwähnt schon mehrfach und immer wieder, dass sie dringend muß. Auch wenn nahezu Tränen fließen: Man kann im Krüger Nationalpark nicht einfach mal so aussteigen und hinter einem Busch gehen. Es kann tödlich enden. John stellt provokativ fest: „Willst du Elefanten oder einen Busch?" Die Wahl geht auf ein nahegelegen Rastpunkt. Doch auch dort laufen Elefanten frei heruma.

Beim morgendlichen Frühstück stellen die Safari-Urlauber fest: Trabt der Elefant so flüchten alle Tiere. Es gibt keine zwei Meinungen: der Elefant ist die Nr. 1 am Wasserloch. Schnell wird es heiß in der Savanne, die Decken braucht jetzt niemand mehr. Safari-Führer John manövriert den Geländewagen fast den ganzen Tag über einsame und manchmal schlecht befahren Straßen oder über die Steppe. Dem Safari-Tourist wird nun sicher bewußt, wie groß dieser einzigartige Naturpark istnd dem Gast erschließt sich so langsam, wie groß der Krüger-Park ist.
Da der Krüger-Park das mit Abstand über alle Grenzen hinaus bekannteste Urlauberziel Südafrikas ist, zerstreuen sich die Touristen in dem unendlichen Horizont. Die Tiere sind natürlich in der Mehrheit. Schön, dass man immer wieder von sehr vielen unterschiedlichen Tieren umgeben wird. Es sind phantastische Momente.
Ein ausserwöhnlich schönes Exemplar versperrtt dem Safari-Fahrzeug den Weg. „Der sieht ganz schön gefährlich und agressiv aus, der will anscheinend angreifen", sagt John, bleibt trotzdem ganz cool. Er macht den Wagen aus. „Das bedeutet: Ich bin relaxt, ich komme in Frieden", erklärt der Safari-Guide seinen Reisenden. 
Der Südafrikaner weiß, wie sich die Tiere verhalten. „Sie sprechen zu uns, man muss sie nur verstehen." Man dürfe nicht zeigen, dass man Angst hat. 

Nachdem herrliche Tiere nah und in voller Anmut fotografiert sind, boxt John kräftig mit der Faust von außen auf die Seitentür des Autos. Der Elefant geht gehorsam auf Seite.

Der Elefant wird gejagt und ist bedroht

Weil das Elfenbein seit eh und je begehrt ist und auch so bleiben wird, wird der Elefant gejagt Kein normaler Mensch, kann doch auf die Idee kommen, einen Elefanten ausschliesslich wegen seiner weißen langen Stoßzähne zu töten. Doch genau das passiert. Im Krüger-Park zeigt sich ein weltweites Problem im Detail: Statt nachhaltiger Entwicklung zählt leider nur der schnelle Gewinnt. Das weltweite Ausbeuten der Mutter Natur und ihrer Ressourcen wird hier zum Massakrieren von Nashörnern und Elefanten.

Begeisterung schaffen

„Leider sind die Big Five für viele "Reiche oder Sammler" lebendig mehr wert als tot", sagt Arnulf Köhncke vom WWF
In Südafrika sei das im Krüger Nationalpark Teil einer perfekten Strategie. „Den Menschen ist klar, dass die Einnahmen durch den Tourismus auf die gesamte Gesellschaft anteilsmäßig verteilt werden müssen." Wilderer und Schmuggler wird das nicht abschrecken.
Dass diese einmalige und wirklich bedrohte Tierwelt im Krüger Nationalpark ohne Zweifel zu schützen ist, hat jeder Safari-Besucher schnell begriffen. „Moderner Safari-Tourismus ist ein wichtiger Eckpfeiler, um Urlauber für diese Artenvielfalt und den dringend notwendigen Naturschutz zu impfen." Man könnte es als hautnahes und nicht ganz günstiges umweltfreundliches Fortbildungsprogramm bezeichnen.

 
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